Fiesta Mexicana II: Empanadas ChoMo

Meine Güte. Etwas ungeplant war ich wohl zwischendurch in der Sommerpause. Nun denn. Neue große Dinge stehen bevor. Darunter Projekte auf der Arbeit, die mich beschäftigen und auch nach Feierabend noch einiges an Kreativität fordern. Und bald geht es wieder für drei Wochen in die Staaten.

Neben meinem kleinen Bruder und meiner Schwägerin freue ich mich auch jetzt schon außerordentlich auf die Kulinarik, die mich im mittleren Westen erwartet. Phoenix wimmelt nur so vor mexikanischen Restaurants und als ich da gerade drüber nachdachte, fiel mir ein, dass ich hier schon seit Monaten ein Rezept auf der Halde liegen hab. Erinnert ihr euch vielleicht noch? Anfang des Jahres habe ich schon einmal von meiner mexikanischen Geburtstagsfeier im Dezember erzählt. Damals habe ich neben den schon vorgestellten Brownies auch reichlich Herzhaftes serviert. Unter anderem einen riesigen Gänsebräter voll Chili con Carne aber auch ein paar Snacks wie Tacitos und Empanadas.

Empanads sind mehr oder weniger mexikanische Calzone. Der Teig wird traditionell mit Schweineschmalz hergestellt, das gibt einen besonderen Geschmack, und gefüllt. Man kann die Taschen im Ofen backen oder frittieren. So hab ich’s gemacht:

Emapandas Mexicanas – ChoMo

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Das braucht ihr für 20 kleinere Empanadas

  • 420g Mehl (+ etwas zum Ausrollen)
  • eine Prise Salz
  • 125g Schweineschmalz
  • 50g Butter
  • 1 Ei
  • 4 – 5 EL eiskaltes Wasser
  • 500g Chorizo
  • etwas Öl
  • eine halbe Zwiebel
  • eine halbe grüne Paprika
  • 200g Mozzarella
  • eine Hand voll frisch gehackter Koriander
  • 4 EL Frischkäse
  • wer die Empanadas im Ofen backen möchte, braucht ein weiteres Ei zum Bestreichen

 

Den Schmalz und die Butter in kleine in Scheibchen Schneiden. Mehl und Salz mischen und das Fett sowie das Ei dazugeben. Mit einem Handmixer verrünhren bis es krümelig ist. Einen Schuss Wasser dazugeben und mit den Händen zügig zu einem glatten Teig verrühren. In eine Kugel formen und in Frischhaltefolie gewickelt etwa 30 Minuten in den Kühlschrank legen.

Die Chorizo aus dem Darm lösen und klein bröseln/schneiden. Die Zwiebel hacken und in etwas Öl bei mittlerer Hitze in einer Pfanne auslassen. Die Chorizo dazugeben und auslassen. Zum Schluss die Paprika würfeln und für ein paar Minuten mitbraten und abschließend den Koriander unterrühren. Die Füllung gut abkühlen lassen, bevor sie weiter verwendet wird!

Den Teig dünn ausrollen und Kreise ausstechen. Die Mitte mit etwas Frischkäse bestreichen, etwas Mozzarella und einen Teelöffel der Chorizomischung daraufgeben. Den Teig wie eine Calzone überschlagen, möglichst so, dass keine Luft zwischen Teig und Füllung ist. Den Rand gut zusammendrücken und einrollen.

Die Empanadas lassen sich so wie sie nun sind prima einfrieren. Ansonsten entweder in 160°C heißem Öl frittieren, bis sie gold braun sind oder auf ein Backblech legen, mit Eigelb bestreichen und bei 180°C Ober- /Unterhitze etwa 30-40 Minuten backen.

 

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Urlaubsgefühle: Paella Mixta

Entgegen aller Erwartungen strahlt hier den ganzen Tag die Sonne. Auch wenn der Mann im Radio das Gegenteil behauptet. Ein schöner Marktspaziergang heute Vormittag und ein ausgedehntes Herumlungern in der Stadt haben mich letztendlich inspirieren können, ein Stück Urlaub nach Hause zu holen. Und das geht am besten mit einem guten Essen.

Paella kommt ursprünglich aus Valencia. Dort war ich noch nicht, daher kann ich mich auch nicht am Original orientieren. Ich kenne sie von meinen Teneriffa-Urlauben. Serviert in der typischen Paella-Pfanne auf einem Beistelltisch, der Kellner trägt auf und achtet darauf, dass jeder von allen Bereichen des Reisgerichts etwas kriegt. Die sind nämlich recht speziell.

Eine gute Paella ist kein Risotto. Sie wird nicht gerührt! Das hat zur Folge, dass der Reis etwas ansetzt. Dabei entsteht am Pfannenboden eine Schicht mit angebräuntem Reis – socarrat genannt. Diese gilt zu Recht als Delikatesse. Es gibt diverse Rezepte für Paella und Glaubensfragen, wenn es darum geht, den richtigen Reis zu wählen. Ich werde euch an dieser Stelle das Rezept so präsentieren, wie es bei mir auf den Tisch kam. Es sei aber bereits vorweg angemerkt, dass hier viel anpassbar ist. Die Menge an Fleisch/Fisch ist variabel, auch die Sorten die ich ausgesucht habe, können geändert werden. Schweinefleisch und Kaninchen finden sich sehr häufig in fleischlastigen Paellas. In der fischigen Variante wären Tintenfisch und Miesmuscheln noch ganz wunderbar.

Auch wenn die Valencianer sie gerne als Touristen-Gericht beschimpfen, esse ich sie so wahnsinnig gern. Heute gibt’s:

Paella Mixta

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Für 4 Portionen

  • 250g Paella-Reis (ich habe Rundkornreis genommen. Viele Rezepte schreiben, man solle Langkornreis nehmen. Traditionell nimmt man Arroz Bomba)
  • Eine Hähnchenbrust, ohne Knochen und HautIMG_20160528_173146
  • 12 Gambas
  • 8 Kammmuscheln
  • 500ml Gemüsebrühe
  • 1 kleine Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • etwa 125g Erbsen
  • eine halbe rote Paprika
  • 4 EL gehackte Tomaten (frisch oder aus der Dose)
  • 1 unbehandelte Zitrone
  • 2 Prisen Safranfäden
  • grobes Meersalz
  • Pfeffer
  • Olivenöl
  • Eine Prise Thymian und Rosmarin
  • Ein Schuss trockener Weißwein
  • etwas gehackte Petersilie

 

Die Zubereitung nimmt insgesamt nicht mehr als eine Stunde Zeit in Anspruch. Und macht auch nur eine Pfanne dreckig. Wenn das nicht ein absolutes Top-Argument für Paella ist, weiß ich es auch nicht. So geht’s los:

Eine möglichst breite, schwere Pfanne auf hoher Hitze aufsetzen. Wer eine hat, kann natürlich dafür eine Paellera verwenden. Eine ganz normale Pfanne tut es aber auch. Etwa einen Teelöffel Meersalz in die Pfanne geben. Einen guten Schuss Olivenöl dazugeben. Das Huhn mundgerecht würfeln und sehr scharf anbraten. Währenddessen Zwiebel, Knoblauch und Paprika fein würfeln. Das Huhn aus der Pfanne nehmen und kurz zur Seite stellen. Nun in der selben Pfanne (nicht ausspülen!) das Gemüse anbraten, die Temperatur auf mittlere Hitze senken und eventuell noch einen Schuss Olivenöl dazu geben. Wenn die Zwiebeln schön glasig sind, das Huhn wieder in die Pfanne geben. Die gehackten Tomaten unterrühren und für ein paar Sekunden reduzieren lassen. Die Erbsen unterrühren und die Mischung an den Pfannenrand schieben. In der Pfannenmitte den Reis verteilen und etwas anbraten lassen. Mit dem Gemüse verrühren und kurz brutzeln lassen, dann mit Weißwein ablöschen. Safran, Thymian und Rosmarin dazu geben und alles mit Pfeffer würzen. Die komplette heiße Brühe dazu geben, einmal kräftig umrühren und jetzt heißt es warten. Auf mittlerer Hitze etwa 20 Minuten offen köcheln lassen (nicht mehr umrühren!).

Die Gambas und das Muschelfleisch auf der Paella verteilen und pfeffern, die Pfanne abdecken und die Meeresfrüchte für etwa 10 Minuten garen lassen. Dann die Hitze noch einmal voll aufdrehen und für 2-3 Minuten brutzeln lassen. Das hilft, die socarrat zu erzeugen.

Die Zitrone in Schnitze schneiden und zwischen den Gambas in die Paella drücken. Pfanne von der Hitze nehmen und kurz ruhen lassen. Servieren und darauf achten, dass alle Gäste etwas von der köstlichen Reiskruste abbekommen 😉

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Spargel dreierlei: Römisch, früh und siciliano

Sie ist wieder da, meine liebste Jahreszeit: Die Spargelzeit hält nun in allen Teilen Deutschlands Einzug. Noch bis zum Johannistag, dem 24. Juni, wird gestochen. In der Vergangenheit habe ich ja Stein und Bein auf die Zubereitung im Alumantel geschworen, nun möchte ich drei weitere fantastische Rezepte präsentieren.

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I. Im Römer.

Spargel aus dem Römertopf ist so unkompliziert, wie nur eben möglich. Das Gemüse wird dazu einfach nur geschält, der Topf (und Deckel!) etwa 15 Minuten gewässert. Ohne zusätzliche Flüssigkeit kommt der Spargel in den Topf, dazu ein Stich Butter, etwas Salz, eine Prise Zucker und ein Pfützchen Zitronensaft. Kurz mit den Händen durchmengen, Deckel drauf und in den kalten Ofen stellen. Diesen nun auf 180°C Ober-/Unterhitze anschalten und nach etwa 45 Minuten ist der Spargel im eigenen Saft gegart und mit herrlicher Butternote versehen. Der Vorteil: Auch größere Mengen (getestet mit einem Kilo) lassen sich auf einen Rutsch gleichmäßig zubereiten. Der Nachteil: Es dauert etwas länger als die herkömmliche Garung in kochendem Wasser. Dafür bleiben Geschmack und Inhaltsstoffe besser erhalten.

II. Zum Frühstück

Mein Lieblingswochenendfrühstück ist im Moment Omelett. Dabei kommt in der Regel immer mit rein, was ich im Kühlschrank so finde. Das ist nicht selten grüner Spargel. Göttlich und einfach: 3 – 4 Stangen grünen Spargel in mundgerechte Stücke schneiden (muss nicht geschält werden!); das holzige Ende wegschmeißen. Kurz in etwas Butter anbraten und auf einem Teller zwischenparken. Zwei Eier mit einem kleinen Schuss Milch oder Sahne und etwas Salz und Pfeffer verquirlen und in die Pfanne geben. Bei mittlerer Hitze stocken lassen. Kurz bevor das Ei gar ist, eine Scheibe Käse und das Gemüse auf eine Hälfte des Omelettes geben, die andere Hälfte darüber klappen und noch etwa 30 Sekunden garen lassen. Anrichten und sich freuen. Die Art Omelett ist wahnsinnig wandlungsfähig. Manchmal kommen bei mir Tomaten zu, statt Spargel nehme ich auch gerne Avocado (die ich nicht vorher anbrate). Auch Bacon oder Schinken passen prima.

III. Sizilianisch

Und hier ist er nun, der Star, das Highlight, das beste Spargelrezept, das mir in den letztenIMG_20160516_193453410 Jahren untergekommen ist. Und dabei ist es nicht aus den deutschen Gefilden, wobei sich ja gerade hier damit  gerühmt wird, Spargelheimat zu sein. Nein, es stammt von meiner amerikanisch-sizilianischen Schwägerin Bianca. Der Spargel wird im Ofen gegart, erhält eine leichte Bitterkeit vom Bräunen, die aber zugleich von der Süße des Honigs und der Salzigkeit des Parmesans aufgefangen wird. Fantastisch. Das Rezept habe ich bislang nur mit grünem Spargel getestet! Ich vemute, dass es mit weißem nicht ganz so gut funktionieren würde.

Die Enden der Spargelstangen abbrechen und das Gemüse in eine Auflaufform geben. Etwa einen Teelöffel Honig darüber träufeln, mit grobem Meersalz bestreuen und etwas Olivenöl darübergeben. Etwa eine handvoll frisch geriebenen Parmesan darüber streuen und alles für gute 15 Minuten bei 200°C Ober-/Unterhitze backen. Nach der Hälfte Zeit  einmal durchrühren, damit sich alles gut verteilt.

Der grüne Spargel wird so zur großartigen Beilage, schmeckt aber auch kalt (weshalb bei mir nie ein Rest für den nächsten Tag überbleibt) 😉

 

 

Römergulasch

Ein schneller Post aus meiner sonst derzeit so uninspirierten Küche. Ich genieße gerade ausgiebig die Feiertage und habe es heute endlich geschafft, mein Haus gar nicht zu verlassen. Das ist auch mal sehr schön. Stattdessen habe ich meinem Römertopf, den ich zu Weihnachten bekommen habe, eine zweite Chance gegeben. Der erste Versuch war nämlich nicht übermäßig berauschend. Das Rezept ist eine leicht veränderte Fassung meines klassischen Gulaschs, das ihr HIER findet (beim Raussuchen der Verlinkung habe ich gerade übrigens festgestellt, dass dies hier bereits mein viertes Gulasch-Rezept im Blog ist. Ja, ich mag dieses Gericht). Was dabei raus kam ist ein:

Römergulasch

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  • 500g Rindergulasch
  • 500g Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 250g Champignons
  • 1,5 rote Paprika (oder zwei – ich hatte halt noch eine halbe über)
  • 200ml trockener Rotwein
  • ~ 200ml Rinderbrühe
  • 2 EL Tomatenmark
  • 1 EL Paprikapulver rosenscharf
  • 1 EL geräuchertes Paprikapulver
  • etwas Kümmel
  • 1TL getrockneter Majoran
  • etwas Öl

 

Den Römertopf für eine gute halbe Stunde komplett wässern.

Zwiebeln fein würfeln und in einer großen Pfanne glasig braten. Knoblauch fein hacken und dazugeben. Währenddessen die Paprika fein würfeln und zu den Zwiebeln geben. Die Masse in den Römertopf geben.

Die Champignons halbieren, anbraten und auch in den Topf geben. Dann das Fleisch in Würfeln scharf anbraten, mit Salz und Pfeffer würzen und zum Gemüse geben. In der gleichen Pfanne ohne zusätzliches Fett die Gewürze und das Tomatenmark anrösten. Mit dem Rotwein ablöschen und kurz aufkochen lassen, zum Rest geben. Die Pfanne mit der Rinderbrühe ausspülen und diese ebenfalls in den Topf schütten. Den Römertopf verschließen, in den kalten (!) Ofen stellen und diesen auf 180°C Ober-/Unterhitze anstellen. Nach 2 – 2,5 Stunden den Deckel abnehmen und weitere 30 Minuten im Ofen lassen.

Dazu gab’s bei mir einen Kartoffel-Sellerie-Stampf und gebratenen grünen Spargel.

 

 

Fiesta Mexicana I: Kahlua Brownies

Von wegen das Beste kommt zum Schluss. Ich fange einfach mal mit dem Dessert an. So. Ha. Ich Rebell, ich. Das Gezetere um meine längere Blog-Abstinenz übergehen wir an dieser Stelle einfach und steigen dort ein, wo wir aufgehört haben.

Untitled designZu meinem Geburtstag habe ich mir etwas Besonderes überlegt. Leid war ich die ewig gleichen Winteressen, Braten und weihnachtlichen Dekorationen. Ich kann doch auch nicht dafür, dass mein Geburtstag kurz vor Weihnachten liegt! Endlich wollte ich auch Sommer-Feeling, Strandmusik und keinen lippischen Regenmatsch zu meiner Feier. Also habe ich der Sache kurzerhand ein Motto gegeben und meine Geburtstagsvor-Feier zur Fiesta Mexicana gemacht. Ja, Vorfeier. Auf einen Montag feiern hielt ich für ausgesprochen unklug (wobei ich das auch getan habe, allerdings in Hamburg). Und an den Weihnachtstagen oder Silvester nachfeiern ist ebenso ungünstig. Daher wurde das Ganze einfach vorverlegt und ich habe konsequent eine Woche durch Geburtstag gefeiert. Hat definitiv was für sich.

Zu so einer Fiesta Mexicana gehört neben der landestypischen Musik auch eine Getränkeauswahl und die dazu passenden Speisen. Bei einer stolzen Zahl von 20 Einladungen, die ich für meine muckelige Singlewohnung augesprochen habe, habe ich ich von einem Bankett oder Mehrgang-Menü abgesehen. Zu schwierig die Unterbringung aller Gäste in sitzender Position. Daher gab es ein in der Küche platziertes Büffet. Neben mexikanischem Fingerfood (Rezepte folgen alsbald) fand sich hier ein riesiger Bräter voll Chili con Carne und zum Dessert gab es köstliche Brownies. Das Grundrezept dazu habe ich aus der New York Times gemopst. Im Original ist es ein irischer Schokoladenkuchen, der mit Whisky gebacken wird. Meine abstrahierte Form ersetzt diesen mit Kahlua und bekommt etwas mehr Pfiff mit Zimt und Chili. Aber lest selbst.

Kahlua Brownies

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  • 340g Butter
  • 85g Back-Kakao
  • 100ml starker Kaffee
  • 110ml Kahlua
  • 200g weiße Zucker
  • 150g brauner Zucker
  • 240g Mehl
  • 1,5 TL Backsoda
  • 3/4 TL grobes Salz
  • 1/2 Chili, gehackt
  • 1 Nelke
  • 3 Eier
  • 2 TL Vanilleextrakt
  • 200g dunkle Schokolade
  • 1 TL Zimt

 

Butter mit Zucker, Schokolade, Kahlua und Kaffe schmelzen und auf Körpertemperatur abkühlen. Alle Gewürze dazu geben. Mehl mit Kakao und Backpulver mischen. Eier aufschlagen und die Hälfte des Mehls unterrühren. Die Schoko-Mischung langsam dazu geben. Restliches Mehl unterrühren. Eine Auflaufform oder ein Tiefes Blech mit Backrahmen fetten und mit Kakaopulver bestäuben. Die Teigmasse hineingeben und bei 170°C für etwa 45-50 Minuten backen.

Die Brownies halten sich noch gut eine Woche saftig frisch, wenn sie in einer Dose im Kühlschrank gelagert werden. Auch eine Reise nach Hamburg im warmem Auto haben sie gut überstanden.

Backen mit Schwips: Rotweinplätzchen

Zugegeben, für einen Schwips ist definitiv nicht genug Schuss in diesen Keksen. Lecker sind sie trotzdem alle Mal. Nach meiner Woche Urlaub, die ich hauptsächlich am Schreibtisch (oder viel mehr mit dem Laptop auf dem Schoß) verbracht habe, wollte ich den Kollegen eine kleine Einstimmung auf die Weihnachtszeit mitbringen. Also habe ich gestern eine Rutsche Rotweinplätzchen gebacken. Das Rezept habe ich von meiner Stiefmutter und es mausert sich über die Jahre zu einem meiner All-time-favourites.

Rotweinplätzchen

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Das braucht ihr für etwa 50 zusammengebaute Plätzchen:

  • 125g Zucker
  • 125g Butter
  • 1 Ei
  • 2 gestr. EL Backpulver
  • 250g Mehl (ggf. etwas Mehr zum Ausrollen)
  • 1 EL Kakaopulver (ungesüßt, also Back-Kakao)
  • 1 TL Zimt
  • 3 EL Rotwein, trocken
  • 150g Kuvertüre
  • ~50g gemahlene Mandeln (im Original sind es Haselnüsse, aber darauf bin ich allergisch)
  • etwa 100g Himbeer- oder Johannisbeergelee

Die Butter in Stückchen schneiden und mit dem Zucker aufschlagen. Das Ei und den Rotwein dazugeben und gut verrühren. Mehl, Backpulver, Kakao und Zimt mischen und nach und nach dazu geben. Der Teig ist jetzt eventuell noch etwas klebrig. Wer Zeit hat, kann ihn für eine Stunde in den Kühlschrank legen, dann lässt er sich besser verarbeiten.

Die Arbeitsfläche gut bemehlen und ggf. noch etwas Mehl in den Teig einkneten, so dass er sich ohne zu kleben  ausrollen lässt. Relativ dünn ausrollen (er sollte gerade so dick sein, dass sich die ausgestochenen Plätzchen gut aufs Blech transportieren lassen) und nach belieben Plätzchen ausstechen. Ich habe einen Herz-Ausstecher genommen.

Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen (insgesamt waren es in der Teigmenge 6 Bleche bei mir) und im vorgeheizten Ofen bei 170°C Ober-/Unterhitze für 8-10 Minuten backen. Die Kekse sollen nicht braun werden und sind noch recht weich, wenn man sie aus dem Ofen nimmt. Innerhalb weniger Minuten werden sie aber außen knackig und haben noch einen weichen Kern.

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Nun heißt es puzzlen: Immer zwei Plätzchen finden, die halbwegs gut übereinander passen. Eine Seite mit etwas Gelee bestreichen (vorher etwas glatt rühren, dann klappt das besser) und an die Seite legen.

Die Kuvertüre schmelzen und nun entweder den Rand der Plätzchen zunächst durchziehen und dann in Mandelmehl wälzen oder mit der Kuvertüre besprenkeln und Mandeln darüber streuen.

Gut trocknen lassen und anderen damit eine Freude bereiten! 🙂

Snickerdoodles: Zimtbomben mit brauner Butter

Der erste Advent ist nicht mehr fern und die große Weihnachtsbäckerei steht vor der Tür. Auch bei mir wurde am Montag die Küche in den Ausnahmezustand versetzt, als meine kleine Schwester zum großen Backwahn kam. Ein kleines Warm-Up gab es für mich schon letzte Woche.

Bei meinem letzten Amerika-Urlaub habe ich mich ja in viele kulinarische Dinge verliebt, unter anderem in Snickerdoodles. Besonders lecker waren die gluten- und eifreien Kekse von Trader Joe’s. Die gibt es hier aber leider nicht und ich finde auch noch kein Rezept, was dem nahe kommen könnte. Mein Bruderherz hat mir jetzt aber ein Care-Paket versprochen. So lange begnüge ich mich mit diesen mindestens ebenso köstlichen, wenn auch sicherlich etwas weniger gesunden süßen Sünden, die mit ihrer braunen Butter-Note auf dem Adventsteller ganz klar herausstechen.

Das Original-Rezept ist übrigens von ambitious kitchen und von mir nur interpretiert. Ich habe bewusst die Kombi aus Baking Soda und Cream Tartar (reiner Weinstein) durch Weinsteinbackpulver ersetzt, da dies hier gängiger ist. Wer es original backen will, nimmt auf die unten angegebene Rezeptmenge 1/2 TL Backsoda und 1 TL Weinstein anstelle des Weinsteinbackpulvers.

Snickerdoodles

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Das braucht ihr:

  • 175g Mehl
  • 2 TL Weinsteinbackpulver (gibt’s im Supermarkt)
  • 1/2 TL Zimt
  • 1/4 TL Salz
  • 110g braune Butter (dafür Butter so lange erhitzen, bis diese leicht nussig riecht und anfängt gold-braun zu werden. Achtung, verbrennt schnell)
  • 100g brauner Zucker
  • 50g weißer Zucker
  • 1 Ei
  • 1/2 TL Vanille-Extrakt
  • 1 TL griechischer Joghurt

zum Wälzen:

  • 50g Zucker
  • 2 TL Zimt

Die noch flüssige aber nicht mehr ganz heiße braune Butter mit Zucker aufschlagen, Ei, Vanille und Joghurt dazugeben. Mit den trockenen Zutaten kurz zu einem glatten Teig verarbeiten. In Frischhaltefolie gut 2-3 Stunden in den Kühlschrank legen.

Den restlichen Zucker mit dem Zimt vermischen. Walnussgroße Kugeln aus dem Teig formen und im Zimt-Zucker-Gemisch wälzen. Auf ein Blech legen und bei 175°C Ober- / Unterhitze etwa 8-12 Minuten backen. Gerade so lange, dass der Rand anfängt zu bräunen. Die Kekse sollten nicht ganz durchgebacken und noch leicht cremig in der Mitte sein.

Ich hab’ die Kugeln etwas größer gemacht und in einem Muffinblech gebacken. Dadurch sind die Kekse leicht überdimensional, sehen aber alle schön gleichmäßig aus. Bei dieser großen Variante reicht der Teig für 14 Kekse. Bei etwas kleineren Kugeln dürften gut 20 herauskommen.

Damn, that’s delish! Hähnchen in Zitronenbutter

Dieser herbstliche Freitagabend konnte mich einfach nicht vom Sofa weglocken. Draußen windet’s und tröpfelt’s ein wenig vor sich hin und so klang das Gläschen (oder so) Wein und ein Ausflug ins Serienland vielversprechend. Die Koch-Kreativität wollte auch nicht so wirklich sprießen, also habe ich das getan, was ich eigentlich nie tue: ich habe nach Rezept gekocht. Und zwar eines, das ich schon vor einiger Zeit in meinem aktuellen Lieblingsblog, DamnDelicious, gesehen habe: Lemon Butter Chicken. Da amerikanische Rezepte immer etwas schwierig sind, was die Mengenangaben angeht, halte ich hier meine Interpretation für euch fest.

Am Rande: Nebenbei sehe ich gerade auf VOX, dass Yvonne Catterfeld mit Roger Cicero eine neue Interpretation von “Something Stupid” rausbringt. Braucht das die Welt?!

Hähnchenkeulen in Zitronenbutter

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Das braucht ihr:

  • Hähnchenschenkel (die Soße reicht für etwa vier ganze, ich habe nur zwei verwendet; das Original sieht acht vor – allerdings ohne Unterschenkel)
  • Salz und Pfeffer
  • etwas geräuchertes Paprikapulver (alternativ edelsüß)
  • 3 EL Butter
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • 125ml Hühner- oder Gemüsebrühe
  • Saft einer Zitrone
  • 1 TL getrockneter Thymian
  • Zwei handvoll frischer Babyspinat, grob gehackt
  • 150ml Sahne
  • 50g geriebener Parmesan

Den Backofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen!

DSC_9029Die Hähnchenschenkel abspülen, abtupfen und mit Salz, Pfeffer und dem Paprikapulver würzen. In einer nicht zu kleinen, am besten ofenfesten, Pfanne einen Esslöffel Butter schmelzen und die Schenkel auf der Hautseite kräftig anbraten, wenden und auch die Unterseite kurz anbraten. Währenddessen den Knoblauch hacken. Die Schenkel auf einen Teller legen und beiseite stellen, das übrige Fett wegschütten (die Pfanne nicht ausspülen).

Den Rest der Butter in der Pfanne schmelzen und den Knoblauch darin DSC_9030braten. Mit der Brühe ablöschen. Zitronensaft, Sahne, Thymian, Parmesan und Spinat dazugeben. Etwas pfeffern und die Soße etwa 5 Minuten kräftig köcheln lassen, zwischendurch umrühren, damit der Parmesan nicht ansetzt. Die Hähnchenschenkel in die Soße legen und die Pfanne in den Ofen stellen. Bei 200 Grad etwa 30 Minuten backen, bis das Huhn gar ist.

Und schon sind sie fertig, die leckeren Zitronenbutter-Keulen. Zum Tunken der Soße passt einfach Brot. Auch Reis, Couscous oder Ofenkartoffeln  sollten prima harmonieren. Ich habe mich entschlossen, Pasta dazu zu essen. Die Zitronensoße hat einen leckeren italienischen Touch, der für mich danach geschrien hat.

Alternativ kann ich mir gut vorstellen, den Zitronensaft mit O-Saft und den Spinat mit Rucola zu ersetzen. Wird dann etwas süßer, solle aber auch sehr lecker sein. Etwas ähnliches habe ich schon öfter als Geschnetzeltes gekocht.

A little less drama please – Oder: Der Mann, der mich nicht das Fürchten lehrte

Meine Mentorin in der Uni pflegte immer zu sagen, Angst käme etymologisch betrachtet von “Enge” und sie würde es überhaupt nicht einsehen sich einengen zu lassen oder sich selbst einzuenengen. Dies sei nur eine Beschränkung im Kopf. Und daher habe sie auch keine Angst. An Tagen wie diesen rufe ich mir die Erinnerungen an diese Lektion gerne wieder zurück ins Gedächtnis, denn nach manchem Erlebnissen ist es gar nicht so einfach, sich daran zu erinnern, dass man keine Angst haben will und stark sein kann. Freitagnacht war einer dieser Momente, als ein Mann mich auf dem Nachhauseweg ansprach, verfolgte und schlussendlich in einen dunklen Weg zog und zu Boden riss.

Ich frage mich an solchen Wochenenden, wie das wohl ist, wenn man eher ein durchschnittliches Leben führt. Arbeiten von 9 bis 5, zum Partner nachhause kommen, die obligatorische Fernsehsendung gucken, zwei mal wöchentlich Sex aus Pflichtgefühl haben und dabei die Einkaufsliste für den nächsten Tag zurecht dichten. Am Wochenende zu gediegenen Pärchenabenden ziehen und immer brav vor Mitternacht ins Bett gehen. Nach zwei Bieren sich etwas schummerig fühlen und lieber nicht mehr so viel trinken. Ab und zu die Eltern besuchen, die in selbiger Einöde vor sich hin leben und natürlich auch die hart auf die 30 zugehenden Kinder mit Finanzen und Rat unterstützen. Eigentlich keine Angst haben zu müssen, dass es mit dem Job doch nicht so klappen könnte, denn zur Not zieht man halt mal wieder bei Mama und Papa ein. Das gute, brave Mädchen zu sein, das sowieso nicht bis in die Puppen loszieht und wenn das doch mal vorkommt, sich kichernd mit ihrer Gluckenherde ein Taxi teilt. Das Leben wäre auf jeden Fall anders.

Versteht mich nicht falsch. Ich will niemanden verurteilen oder kritisieren der so lebt. Jedem sei ja selbst überlassen, wie er sich glücklich fühlt und was er vom Leben erwartet. Ich mag es nicht die traurige “Ich habe keine Eltern mehr”-Karte zu ziehen oder rumzujammern, dass ich ein echtes Problem habe, wenn ein finanzieller Schlag kommt. Mit Ersterem muss ich leben, für Zweiteres habe ich mich entschieden, als ich mir vorgenommen habe in einem Job zu arbeiten, der mir wirklich gefällt und für den ich eine Leidenschaft entwickeln kann, statt den einfachen Weg zu gehen. Es hat zwar ein paar Jahre länger gedauert, bis sich der Weg so richtig abgezeichnet hat, aber im Moment sieht die Perspektive ganz gut aus.

Ich gehe gerne aus. Auch lange. Und bis tief in die Nacht. Dabei fließt dann auch das ein oder andere Bier, manchmal auch ein Schnaps. Ich mag es, an der Theke zu sitzen, mit skurrilen Gestalten über abstruse Dinge zu philosophieren und einfach in dem Moment zu schwelgen. Ich brauche dabei nicht immer eine große Gruppe von Freunden um mich herum, um mich sicher zu fühlen. Ich fühle mich auch sicher mit mir selbst. Ich bin erwachsen. Nachdem ich vor zwei Jahren im Urlaub zusammen mit einer Freundin nachts überfallen wurde, war ich eine ganze Zeit lang etwas zitterig, wenn ich abends in einer dunkleren Ecke lang gelaufen bin. Man muss dazu sagen, ich wohne wirklich nah an der Stadt. Von der Kneipe, in der ich oft als letzte Station strande, laufe ich im nüchternen Zustand etwa 8 Minuten bis zu meiner Wohnung. Nach einem langen Abend können es mal 15 werden. Damals habe ich mir für diese Strecke oft ein Taxi gerufen und wurde von allen, inklusive den Taxifahrern, dafür belächelt. Ob ich denn so faul sei, dass ich die paar Meter nicht laufen könne. Ob ich denn so reich sei, dass ich das Geld so aus dem Fenster schmeißen könnte. Ein wenig gab ich den Stimmen irgendwann recht und fing an, öfter wieder nachhause zu laufen. Letztendlich tun ein paar Meter an der frischen Luft ja auch ganz gut.

Natürlich ist es nicht klug, alleine tief in der Nacht herumzulaufen. Mein Weg führt zwar an zwei Hauptstraßen entlang, in einer tiefenentspannten Stadt wie Detmold tut das jedoch nicht viel zu Sache. Hier schaffe ich es gelegentlich, den gesamten Weg aus der Innenstadt zu laufen, ohne, dass mir auch nur ein Auto entgegenkommt. Am Freitag war eben einer dieser besagten Abende. Es war Ohrenschmaus in der Stadt (für die Nicht-Detmolder: das ist ein Kneipenfestival mit Livemusik und vielen betrunkenen Menschen) und nachdem mein Portemonai Ebbe anzeigte und ich dafür umso voller war, trat ich gegen 3 Uhr morgens den Heimweg an. Freunde von mir blieben an der Theke zurück, konnten dem wohligen Rausch noch nicht Gute Nacht sagen und ließen mich sorglos ziehen. Ich war kaum 200 Meter weit gekommen, als ein Mann hinter mir her kam und mich ansprach. Er könne kein Deutsch, nur Französisch und er fände mich so hübsch. Ich war zu betrunken um mich geschmeichelt zu fühlen, wollte einfach nur nachhause und schlafen und hoffen, dass mein Brummschädel am nächsten Morgen zulassen würde, dass ich mein Bett jemals wieder verließe. Englisch konnte der Mann auch nicht, oder wollte es nicht verstehen. Meine Versuche, zu verdeutlichen, dass ich überhaupt kein Interesse hatte, scheiterten. Die gebrochenen Reste meines Schulfranzösisch brachten mich nicht wesentlich weiter, also gestikulierte ich mit Händen und Füßen und setzte dazu an, meinen Weg fortzusetzen und dabei möglichst höfliches Desinteresse zu vermitteln.

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Vergebens. Er folgte mir immer weiter auf meinem Weg, sprach in schnellem Franzöisch, zog mich zu sich hin, versuchte mich zu küssen. Ich schubste ihn, wusste, ich hätte keine Chance, würde ich versuchen, wegzurennen. Meine Sportlichkeit hält sich in Grenzen, die Uhrzeit und der Alkohol machten das nicht gerade besser. Ich war immernoch überzeugt, er würde früher oder später abziehen. Was solle an der Hauptstraße schon groß geschehen. Ich gestikulierte, dass ich nur noch ins Bett gehen möchte, alleine. Versuchte ihn loszuwerden, indem ich darauf pochte, er solle mir seinen Facebooknamen geben, dann würde ich mich die Tage bei ihm melden (was ich selbstverständlich niemals vor hatte). Kurioserweise fand er sich nicht in der Liste, was daran liegen könnte, dass er einfach “nicname nicname” eingegeben hat. Habe ich natürlich erst im wieder nüchternen Zustand am nächsten Tag realisiert. Ich versuchte nun also durch die Änderung meines Kurses darauf zu hoffen, dass er endlich von mir abließ.

Dabei machte ich einen großen Fehler, denn ich wechselte die Straßenseite. Hier geht vom Bürgersteig aus ein kleiner dunkler Pfad zu einem Parkplatz ab. Der Mann sah seine Chance, zog mich auf den Pfad, zog mich an sich heran und riss mich zu Boden. Als er über mir lag, versuchte ich ihn wegzuschubsen, mich wegzudrehen, um Hilfe zu rufen. Er zerrte an mir, riss meinen Arm zur Seite, zog an meinem Schal und zerriss dabei meine Kette. Schreien kann ich, und zwar laut. Das ist einer der Vorteile, wenn man prinzipiell ein recht lauter Mensch ist. Meine Stimme lässt mich nie im Stich. Der Mann sprang schließlich auf und sprintete in Richtung Hauptstraße von dannen. Ich stand zitternd auf, suchte meine Kette und meinen Anhänger und ging ebenfalls zurück in das Licht der Straßenlaternen. Kurz war ich versucht, einfach nachhause zu gehen. Ich war vergleichsweise ruhig innerlich. Habe mich geärgert, dass ich nicht einfach bei den anderen an der Theke geblieben bin, mit einem ungefährlichen Mann nachhause gegangen bin oder das verdammte Taxi gerufen habe. Dann sah ich die kaputte Kette in meiner Hand. Mein Bruder hat sie mir geschenkt, als ich das letzte mal in Arizona war. Der Anhänger ist ein indianisches Zeichen für Musik und Familie und Hoffnung. Eine Seite ist Opal, sein Geburtstsstein und die andere Tiegerauge, mein Lieblingsstein. Ich habe sie seitdem nie abgenommen, da ich mit ihr immer erinnert bin, an diesen wichtigen Teil meines Lebens und weiß, dass mein Bruder immer für mich da ist. Wie diese Kette nun zerissen in meiner Hand lag, bin ich einfach nur noch wütend geworden. Auf mich zum Einen aber vor allem auf dieses Arschloch, das es wagt, mich einzuengen, versucht mir Angst zu machen, denkt, er hätte irgendwelche Ansprüche oder wäre stärker als ich, nur weil er ein Mann ist und ich eine schwache Frau bin.

Ich rief die 110, schilderte mit schwerer, betrunkener Zunge, dass jemand versucht hat, mich zu vergewaltigen (auch wenn das faktisch soweit erstmal nicht ganz korrekt war, schließlich war es nun eher meine Vermutung, dass er das vorhatte). Ich blieb ganz ruhig an der Straße stehen, rauchte eine Zigarette und wartete auf das Eintreffen der Beamten. Diese kamen etwa zehn Minuten später, durchsuchten mit Taschenlampen die Umgebung nach Hinweisen, befragten mich nach Details und ließen mich pusten. Ja, ich war voll, aber das macht die Sache ja nunmal nicht ungeschehen. Die insgesamt 5 Beamten waren freundlich aber distanziert. Ein wenig unbeholfen stand ich da rum, wusste nicht genau was passiert, hatte aber durchaus das Gefühl, ernst genommen zu werden. Zwei der Polizisten, die in zivil waren, brachten mich nach Hause, fotografierten einen Kratzer an meinem Hals und Namen meine Jacke, Schal und mein Oberteil mit, um auch diese auf Spuren zu untersuchen. Ich rief in dieser Nacht noch eine Freundin an, froh, dass ich Freunde habe, die morgens um halb 5 noch ans Handy gehen, weil sie wissen, dass ich nur in einer absoluten Krise anrufen würde. Während ich rauchend am Fenster stand wurde ich auch wieder ruhig. Die ganze Aufregung mit der Polizei war doch etwas viel für meine Nerven.

Am folgenden Morgen habe ich mich recht schnell entschlossen, die Geschichte in kurzer Form auf Facebook zu posten. Falls irgendjemand das Ganze mitbekommen hat, wollte ich darauf aufmerksam machen. Und vor allem wollte ich mich und alle anderen daran erinnern, dass auch Detmold gefährlich sein kann. Man muss nicht durch eine Großstadt laufen oder in der finstersten Ecke unterwegs sein. Ich war mitten an der Hauptstraße und dennoch nicht sicher. Aber: ich habe auch keine Angst. Ich habe keine Angst davor, alleine in die Stadt zu gehen oder alleine unterwegs zu sein. Ich lasse mich nicht verschrecken von jemandem, der Frauen angreifen muss, um Körperlichkeit zu erfahren. Ich will diese Sprüche, die immer beginnen mit “wie kann man als Frau um die Uhrzeit nur…”, nicht hören und vor allem nicht leben. Ich bin eine Frau und ich kann, was ich will. Es macht mich nicht zu einem schlechteren oder schwächeren Menschen, dass ich kein Mann bin. Ich lasse mich nicht in eine Opferrolle drängen und bin nun kein zu tiefst traumatisierter Mensch, der mit Samthandschuhen angefasst werden muss. In einem Facebookkommentar wurde mir vorgeworfen, wie “hirnlos” ich sei, dass ich in die Nähe dieses dunklen Wegs gegangen bin. Vielen Dank auch, dass das nicht die klügste Entscheidung war, ist mir mittlerweile auch klar. Ein anderer Kommentartor wetterte sofort los, dass man nun, da wir ja all die Flüchtlinge nach Deutschland lassen, sowieso niemand mehr sicher sein kann. Auch dies ist ein wahnsinnig hilfreicher Kommentar, zumal ich meinen Angreifer an keiner Stelle als Flüchtling beschrieben habe. Aber wer die Hasskappe auf hat, trägt sie eben immer mit sich herum.

Letztendlich haben viele Freunde und Bekannte toll reagiert, meinen Beitrag geteilt und ebenso damit versucht, weitere Zeugen zu finden. Viele haben angerufen und gar ganze Telefonketten gestartet. Ich danke euch allen, dass ihr euch so um mich sorgt. Aber mir geht es gut. Mir geht es immer gut. Ich lasse mich nicht einengen und mir schon gar keine Angst machen.